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Hick’s Law einfach erklärt: Warum weniger Auswahl schnellere Entscheidungen bringt

Veröffentlicht: 26. Oktober 2026
Hick's Law sagt: Je mehr Auswahl, desto länger dauert die Entscheidung. Woher das Gesetz kommt, was die Studien wirklich zeigen, wo es nicht gilt und was das für Menüs und Barrierefreiheit bedeutet.

Hick’s Law erklärt, warum ein Menü mit 15 Punkten bremst und eines mit fünf Punkten nicht. Jede zusätzliche Option kostet Entscheidungszeit. Das Gesetz wird im Webdesign oft zitiert und genauso oft überdehnt. Deshalb schaue ich mir hier auch an, wo es nicht gilt. Das ist Teil 3 meiner Serie UX-Gesetze. Vorher ging es um Fitts‘ Law und Jakob’s Law. Am Ende gibt es eine Checkliste zum Abhaken, auch als PDF.

Was ist Hick’s Law?

Hick’s Law besagt: Die Zeit für eine Entscheidung steigt mit der Anzahl der Möglichkeiten. Sie steigt aber nicht gleichmäßig, sondern immer langsamer. Von zwei auf vier Optionen merkst du den Unterschied deutlich. Von 20 auf 22 kaum noch.

Schema zu Hick's Law: Bei bekannten oder sortierten Optionen steigt die Entscheidungszeit mit jeder Option immer langsamer an. Bei einer unbekannten, ungeordneten Liste steigt sie gleichmäßig und deutlich stärker.
Die flache Kurve (grün) zeigt Hick’s Law bei bekannten oder sortierten Optionen. Die steile Gerade (rot) zeigt eine unbekannte Liste, die man Punkt für Punkt lesen muss. Dort kostet jede Option gleich viel mehr Zeit.

Woher Hick’s Law kommt

Das Gesetz geht auf zwei Psychologen zurück. Der Brite William Edmund Hick hat 1952 im Quarterly Journal of Experimental Psychology dazu veröffentlicht. Der Amerikaner Ray Hyman hat die Ergebnisse 1953 bestätigt und erweitert. In der Fachwelt heißt es deshalb Hick-Hyman-Gesetz.

Die Versuche waren einfach. Eine von mehreren Lampen leuchtete auf, und die Versuchsperson musste so schnell wie möglich reagieren. Bei Hick geschah das per Tastendruck. Je mehr Lampen im Spiel waren, desto länger dauerte die Reaktion.

Was die Studien zu Hick’s Law sagen

Für einfache Reaktionen ist das Gesetz gut belegt. Für Websites muss man aber genauer hinschauen. Hick’s Law gilt, wenn jemand die Optionen kennt und weiß, was er sucht. Dann muss er nicht jeden Punkt lesen. Er springt gleich an die richtige Stelle.

Bei einer unbekannten, unsortierten Liste ist das anders. Dann liest man Punkt für Punkt durch. Jeder weitere Punkt kostet dann gleich viel Zeit. Lange Listen werden so richtig langsam. Sortierte Listen helfen. Eine Studie von Landauer und Nachbar aus 1985 zeigt: Sind Menüs alphabetisch oder nach Zahlen geordnet, steigt die Suchzeit wieder nur langsam an, wie bei Hick’s Law.

Oft wird Hick’s Law mit der „Auswahl-Überforderung“ vermischt. Gemeint ist die Idee, dass zu viel Auswahl vom Kaufen abhält. Bekannt ist das Marmeladen-Experiment von Iyengar und Lepper aus 2000: Bei 24 Sorten am Probierstand kauften weniger Leute als bei 6. Forscher um Benjamin Scheibehenne haben 2010 aber 50 solcher Versuche mit über 5.000 Teilnehmern gemeinsam ausgewertet. Im Schnitt hatte die Menge der Auswahl praktisch keinen Einfluss. Zu viel Auswahl kann also schaden, muss aber nicht. Es hängt stark von der Situation ab.

Mein Fazit aus den Studien: Weniger Optionen machen Entscheidungen schneller. Eine Garantie für mehr Umsatz ist das nicht. Wichtiger als die reine Anzahl ist, wie klar die Optionen sind und wie gut sie geordnet sind.

Wo Hick’s Law Anwendung findet

  • Google-Startseite: ein Suchfeld, zwei Buttons. Mehr Auswahl gibt es erst, wenn man sie braucht.
  • Preisseiten: Viele Anbieter zeigen drei Pakete, eines davon als „Empfohlen“ markiert.
  • Bestellung in Schritten: Shops fragen Adresse, Versand und Zahlung nacheinander ab statt alles auf einer Seite.
  • Einstellungen: Die wichtigsten Optionen stehen oben. Der Rest steckt hinter „Erweitert“.
  • Cookie-Banner: Zwei oder drei klare Optionen auf der ersten Ebene. Die vielen Schalter für einzelne Dienste kommen erst in den Einstellungen.
  • Fernbedienung: Neuere Modelle haben eine Handvoll Tasten. Der Rest ist ins Menü am Bildschirm gewandert.

So wendest du Hick’s Law auf deiner Website an

  • Hauptnavigation schlank halten. Als Faustregel reichen fünf bis sieben Punkte für die meisten KMU-Websites.
  • Gruppieren statt aufzählen. Zwölf Leistungen lassen sich meist in drei oder vier Gruppen ordnen.
  • Eine Option empfehlen. Bei Paketen oder Preisen hilft eine klar markierte Empfehlung.
  • Eine Hauptaktion pro Seite. Also der eine Schritt, den Besucher auf der Seite tun sollen, zum Beispiel anfragen. Wenn drei gleich große Buttons um Aufmerksamkeit kämpfen, zögern Besucher.
  • Lange Formulare aufteilen. Lieber mehrere kurze Schritte als eine Seite mit 20 Feldern.
  • Lange Listen sortieren und vorbelegen. Eine Länderauswahl darf lang sein, wenn sie alphabetisch ist und das häufigste Land schon ausgewählt ist.
Drei Pakete nebeneinander: Basis, Standard und Plus. Das mittlere Paket Standard ist mit dem Text Empfohlen und einem Rahmen hervorgehoben.
Drei Pakete mit klarem Unterschied und einer Empfehlung. Die Empfehlung steht als Text da, nicht nur als Farbe.

Eine sinnvolle Vorauswahl erspart die Entscheidung ganz. Für deinen Entwickler ist das eine Kleinigkeit.

Für deinen Webentwickler: So sieht das im Code aus
<label for="land">Land</label>
<select id="land" name="land" autocomplete="country">
  <option value="AT" selected>Österreich</option>  <!-- häufigste Wahl vorbelegt -->
  <option value="DE">Deutschland</option>
  <option value="CH">Schweiz</option>
  <!-- danach alle weiteren Länder alphabetisch -->
</select>

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Fall, wie er bei vielen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben vorkommt: Die Hauptnavigation ist über die Jahre gewachsen. Inzwischen stehen dort zwölf Punkte nebeneinander. Am Handy wird daraus eine lange Liste, durch die man scrollen muss.

Vorher und nachher einer Navigation: Vorher zwölf gleich wirkende Menüpunkte, Kontakt an zwölfter Stelle. Nachher vier Menüpunkte und ein hervorgehobener Kontakt-Button, die übrigen Seiten sind untergeordnet oder im Footer.
Nichts wird gelöscht, nur geordnet. Aus zwölf gleichwertigen Punkten werden vier und ein Button.

Die Lösung ist kein Neubau. Leistungen, Referenzen, Über uns und Karriere bleiben oben. Produkte, Downloads und FAQ wandern unter Leistungen. Team und Partner gehören unter Über uns. Aktuelles und Anfahrt kommen ganz nach unten auf die Seite (Footer). „Kontakt“ wird als Button hervorgehoben, weil das die wichtigste Aktion ist.

Hick’s Law und Barrierefreiheit

Was für alle gilt, gilt für manche Menschen doppelt. Ein Screenreader ist ein Programm, das Menschen mit Sehbehinderung die Seite vorliest. Wer ihn nutzt, sieht ein Menü nicht auf einen Blick. Er hört es Punkt für Punkt. Zwölf Menüpunkte heißen zwölf Ansagen, bevor man weiß, was es gibt. Das ist genau die steile Gerade im Schema oben. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Konzentrationsproblemen ist jede zusätzliche Option eine echte Hürde.

Das W3C, das Gremium hinter den WCAG, hat dazu einen eigenen Leitfaden für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Lernschwierigkeiten veröffentlicht (auf Englisch). Er ist eine Empfehlung, keine Pflicht. Er rät zu klaren, einfachen Abläufen und wenig Ablenkung.

Die WCAG sind die internationalen Regeln für barrierefreie Websites. Für manche Unternehmen sind sie Pflicht. In Deutschland regelt das das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG). Als technischer Maßstab dient dabei die europäische Norm EN 301 549. Ihre derzeit gültige Fassung beruht auf WCAG 2.1. Eine neue Fassung mit WCAG 2.2 ist seit September 2026 fertig. Sie gilt, sobald die EU sie offiziell bekannt gibt. Erwartet wird das Ende 2026, einen offiziellen Termin gibt es noch nicht. In der Schweiz gelten eigene Regeln. Ob ein Gesetz für dich gilt, erkläre ich im Ratgeber Barrierefreiheit & Recht.

Die WCAG bestehen aus einzelnen Anforderungen mit Nummern, etwa 2.4.5. Jede hat eine Stufe: A ist die Grundstufe, AA die nächste. Gefordert sind beide. Zu Hick’s Law passen vor allem diese Anforderungen. Alle drei gelten schon heute:

Ein Punkt noch zu großen Ausklappmenüs mit vielen Spalten, sogenannten Mega-Menüs: Sie verringern die Auswahl nicht, sie verstecken sie nur. Mit der Tastatur sind sie oft schwer zu bedienen. Wenn du eines brauchst, dann mit klaren Gruppen-Überschriften. Ob es mit der Tastatur bedienbar ist, prüft dein Entwickler.

Warum es Sinn macht und wann du es anwendest

Hick’s Law lohnt sich überall, wo jemand schnell entscheiden soll. Bei der Navigation, bei Preisen und Paketen, bei Formularen und beim Haupt-Button einer Seite. Weniger Optionen heißen weniger Zögern. Und wer weniger zögert, fragt eher an oder kauft eher.

Wann du es nicht übertreiben solltest: Wenn du alles in Unterebenen versteckst, braucht man mehr Klicks und findet weniger. Bei Werkzeugen, die Profis täglich nutzen, dürfen ruhig viele Optionen sichtbar sein. Die Nutzer kennen sie und wissen, was sie suchen. Das Gesetz ist eine Richtung, keine Zählregel.

Wie verständlich deine Texte und Beschriftungen sind, kannst du mit meinem Tool Lesbarkeit prüfen testen. Mehr zu klaren Texten steht im Beitrag zu barrierefreien Webseitentexten.

Checkliste: Hick’s Law auf deiner Website

Hake ab, was auf deiner Website schon passt. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert.

  1. Die Hauptnavigation ist kurz. Menüpunkte zählen. Als Faustregel reichen fünf bis sieben. Den Rest unterordnen oder nach ganz unten (Footer) verschieben.
  2. Jeder Menüpunkt ist eindeutig benannt (WCAG 2.4.6). Eine fremde Person fragen, wo sie etwas suchen würde.
  3. Jede Seite hat eine Hauptaktion, die heraussticht. Nicht drei gleich große Buttons nebeneinander.
  4. Bei Paketen oder Preisen gibt es eine Empfehlung. Ist die Empfehlung als Text markiert, nicht nur über Farbe?
  5. Lange Formulare sind in Schritte geteilt. Felder zählen. Mehr als zehn auf einer Seite? Dann aufteilen. Umsetzung: dein Entwickler.
  6. Lange Auswahllisten sind sortiert und sinnvoll vorbelegt. Steht die häufigste Wahl, etwa das Land, schon drin? Umsetzung: dein Entwickler.
  7. Es gibt mehrere Wege zu den Inhalten (WCAG 2.4.5). Gibt es eine Suche, eine Übersicht aller Seiten (Sitemap) oder Links ganz unten?
  8. Seltene Optionen stehen nicht im Hauptweg. Stehen selten gebrauchte Formularfelder oder Filter weiter unten oder hinter „Mehr Optionen“?

PDF, 2 Seiten, 29 KB · barrierefrei nach PDF/UA · Kästchen am Bildschirm abhakbar · frei, ohne Anmeldung

Häufige Fragen

Wie viele Menüpunkte sollte meine Website haben?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Als Faustregel sind fünf bis sieben Punkte in der Hauptnavigation für die meisten KMU-Websites ein guter Rahmen. Eine Studie steckt hinter dieser Zahl nicht. Wichtiger ist, dass jeder Punkt klar benannt ist und sich nicht mit einem anderen überschneidet.

Ist Hick’s Law dasselbe wie die Auswahl-Überforderung?

Nein. Hick’s Law misst, wie lange eine Entscheidung dauert. Die Auswahl-Überforderung sagt, dass zu viel Auswahl vom Kaufen abhält. Dieser zweite Effekt ist in der Forschung umstritten. Eine gemeinsame Auswertung von 50 Versuchen aus 2010 fand im Schnitt keinen Effekt.

Gilt Hick’s Law auch für lange Listen wie die Länderauswahl?

Nur, wenn die Liste sortiert ist. Wer sein Land kennt, springt in einer alphabetischen Liste schnell hin. Noch besser ist eine Vorauswahl mit dem häufigsten Land.

Warum ist das für Barrierefreiheit wichtig?

Screenreader lesen Menüs Punkt für Punkt vor. Jede Option kostet dort Zeit. Und Menschen mit kognitiven Einschränkungen hilft eine kleine, klare Auswahl besonders.

Deine Navigation ist über die Jahre gewachsen und keiner blickt mehr durch? Ich helfe dir, sie neu zu ordnen. Schau dir meine Leistungen zu Webentwicklung und Barrierefreiheit an oder schreib mir über die Kontaktseite. Weiter geht es mit Teil 4: Cognitive Load, also wie viel Denkarbeit eine Seite verlangt. Alle Teile findest du auf der Übersicht UX-Gesetze.

Quellen

KI-Transparenz: Die Beitragsbilder in diesem Blog werden mit KI generiert, die Texte entstehen in der Regel mit KI-Unterstützung. Jeder Beitrag wird von mir redaktionell geprüft und inhaltlich verantwortet. So arbeite ich mit KI

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Geschrieben von Christoph Purin

Webentwickler und zertifizierter Web Accessibility Expert aus Vorarlberg. WordPress seit 2005. Jeder Beitrag basiert auf echten Projekten — alles selbst getestet.
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