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KI-Kompetenz nach AI Act: Was dein Betrieb tun muss – und was sich 2026 geändert hat

Veröffentlicht: 27. Oktober 2026
Muss dein Team zur KI-Schulung? Was Artikel 4 AI Act verlangt, was sich durch den Digital Omnibus im Juli 2026 geändert hat und wie ein einfacher Schulungsnachweis aussieht. Mit Blick auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.

„Muss ich meine Leute jetzt zu einer KI-Schulung schicken?“ Diese Frage höre ich oft, seit es EU-Regeln für künstliche Intelligenz gibt. Die kurze Antwort: Du solltest etwas tun, aber kein teures Zertifikat kaufen. Und seit Juli 2026 ist die Regel schwächer als vorher. Viele Seiten im Netz zeigen trotzdem noch die alte Fassung. Dieser Beitrag ist Teil 3 meiner Serie KI im eigenen Haus: lokal statt ChatGPT. Hier trenne ich alt und neu und zeige dir einen einfachen Nachweis. Am Ende gibt es eine Checkliste zum Abhaken, auch als PDF mit Vorlage.

KI-Kompetenz AI Act: Was die Regel meint

Der AI Act ist die EU-Verordnung über künstliche Intelligenz. Eine EU-Verordnung gilt direkt in jedem Mitgliedstaat, ohne eigenes Landesgesetz. Artikel 4 darin heißt „KI-Kompetenz“. Gemeint ist das Wissen, das jemand braucht, um KI sinnvoll zu nutzen. Dazu gehört auch, die Risiken zu kennen.

Die Regel trifft nicht nur Tech-Firmen. Wer ein KI-System unter eigener Verantwortung einsetzt, heißt im AI Act „Betreiber“. Das gilt auch, wenn dein Team nur ChatGPT für E-Mails nutzt. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung. Für Betreiber verlangt Artikel 4, dass sie etwas für das KI-Wissen ihrer Leute tun.

Alt und neu: Was sich am 27. Juli 2026 geändert hat

Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025. Die alte Fassung war streng formuliert. Betreiber mussten „nach besten Kräften sicherstellen“, dass ihr Personal über „ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz“ verfügt. Das klang nach einem Ergebnis, für das du geradestehst.

Dann kam der sogenannte Digital Omnibus. Das ist ein Paket der EU, das mehrere Digitalgesetze vereinfacht. Für die KI ist das die Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026. Sie ist laut EUR-Lex seit dem 27. Juli 2026 in Kraft. Seitdem lautet Artikel 4 anders. Betreiber „ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals“ zu unterstützen. Und weiter: Die Pflicht verpflichtet sie nicht, „für irgendeine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz zu garantieren“.

KI-Kompetenz AI Act im Vergleich: Links die alte Fassung von Artikel 4, nach der Betriebe ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz nach besten Kräften sicherstellen mussten. Rechts die neue Fassung seit 27. Juli 2026: Betriebe ergreifen Maßnahmen, um die KI-Kompetenz zu unterstützen, und müssen kein bestimmtes Niveau garantieren.
Früher ging es um ein Ergebnis. Heute zählt, dass du etwas tust.

Neu ist auch der zweite Absatz. Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten sollen Betriebe unterstützen, besonders kleine und mittlere Unternehmen. Die Kommission soll dafür praktische Beispiele veröffentlichen.

In einfachen Worten: Du musst weiterhin etwas tun. Ob danach jede Person im Team KI-Profi ist, musst du nicht garantieren. Eine kurze, dokumentierte Einführung passt genau zu dieser neuen Fassung.

Was die Quellen sagen – und wo sie sich widersprechen

Die wichtigste Hilfe ist die Fragen-und-Antworten-Seite der EU-Kommission zur KI-Kompetenz (Englisch). Dort steht: Ein Zertifikat ist nicht nötig. Die Kommission will keine Pflichtschulungen vorschreiben. Eine interne Aufzeichnung der Schulungen reicht als Nachweis. Als Risiko, das dein Team kennen sollte, nennt die Seite falsche Antworten der KI. Fachleute nennen das Halluzinationen.

Aber Vorsicht: Die Seite ist nicht auf dem neuesten Stand. Sie beschreibt noch die alte Fassung. Zum Omnibus nennt sie nur den ersten Vorschlag. Danach sollte die Pflicht von den Betrieben auf Staaten und Kommission wandern. So ist es nicht gekommen. Die beschlossene Fassung lässt die Pflicht bei den Betrieben, nur schwächer.

Auch beim Start der Aufsicht ist die Seite unklar. Sie nennt einmal den 2. und einmal den 3. August 2026. Ab dann können nationale Behörden Verstöße gegen Artikel 4 verfolgen. Laut Kommission müssen Strafen verhältnismäßig sein und den Einzelfall berücksichtigen. Wie streng die Behörden die neue, weichere Fassung prüfen, ist noch offen.

Fachstimmen sehen die Änderung ähnlich. KPMG Österreich schreibt, es gebe nur noch eine Pflicht, die KI-Kompetenz des Personals zu fördern. KPMG rät trotzdem, sie nach Möglichkeit wirklich sicherzustellen. Ein Grund: Wer sich blind auf KI verlässt, trifft leichter falsche Entscheidungen. Die IHK Lüneburg-Wolfsburg betont: Der Omnibus hebt die Pflichten aus dem AI Act nicht auf.

Wo dich das im Alltag betrifft

  • Dein Team schreibt Mails mit ChatGPT. Dann bist du Betreiber. Eine kurze Einführung reicht hier meist aus.
  • Ein Chatbot beantwortet Fragen auf deiner Website. Auch das ist ein KI-System, das du betreibst. Wer ihn betreut, sollte wissen, wo er Fehler macht.
  • KI hilft bei Bewerbungen. Hier wird es ernster. KI im Bereich Beschäftigung zählt zu den Hochrisiko-Bereichen nach Anhang III des AI Act. Dafür gelten strengere Regeln. Die Frist wurde auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Wer so etwas plant, sollte sich vorher beraten lassen.
  • Du nutzt KI nur privat. Dann gilt der AI Act für dich als Nutzer nicht.
Zeitleiste: 2. Februar 2025 gilt Artikel 4. 27. Juli 2026 tritt der Digital Omnibus in Kraft. Ab August 2026 startet die Aufsicht. 2. Dezember 2027 gelten die Regeln für Hochrisiko-KI nach Anhang III, 2. August 2028 für Anhang I.
Artikel 4 gilt schon. Verschoben wurden nur die Fristen für Hochrisiko-KI.

Beispiel: So sieht ein einfacher Nachweis aus

Stell dir einen Betrieb mit fünf Leuten im Büro und im Verkauf vor. Alle nutzen einen Chat-Assistenten mit Firmenkonto. Die Chefin nimmt sich eine Stunde Zeit und erklärt vier Dinge. Wofür das Tool genutzt werden darf. Welche Daten nie hineingehören. Dass die KI Fakten erfinden kann. Und wer Ergebnisse vor dem Versand prüft.

Danach füllt sie ein Blatt aus: Datum, Dauer, Teilnehmende, Inhalte und den Termin für die nächste Auffrischung. Das ist die interne Aufzeichnung, von der die EU-Kommission spricht. Mehr braucht es für einen Betrieb dieser Art in der Regel nicht.

Muster eines einseitigen Schulungsnachweises: Datum und Dauer, Teilnehmende, wer die Einführung gehalten hat, genutzte KI-Tools, vier abgehakte Inhalte und Platz für Unterschrift und nächste Auffrischung.
Ein Blatt pro Einführung reicht. Die Vorlage zum Ausfüllen steckt im PDF unten.

Wichtig ist der Inhalt, nicht die Form. Ein Zettel, auf dem nur „KI-Schulung erledigt“ steht, hilft dir im Ernstfall wenig. Notiere lieber kurz, was besprochen wurde.

Deutschland, Österreich und die Schweiz

Deutschland und Österreich: Der AI Act gilt hier direkt, in der neuen Fassung seit dem 27. Juli 2026. Ein eigenes Landesgesetz zur KI-Kompetenz brauchst du nicht zu suchen. Die Aufsicht übernehmen nationale Behörden.

Schweiz: Der AI Act ist kein Schweizer Recht. Er kann Schweizer Firmen aber trotzdem betreffen. Laut Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe c gilt er auch für Anbieter und Betreiber in Drittländern. Voraussetzung: Das Ergebnis der KI wird in der EU verwendet. Ein Beispiel wäre eine Schweizer Firma, die KI-erstellte Angebote an Kunden in Deutschland schickt. Für den Datenschutz gilt in der Schweiz laut Datenschutzbeauftragtem (EDÖB) das bestehende Datenschutzgesetz direkt auch für KI.

Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Bei Hochrisiko-Fällen wie KI in der Personalauswahl lohnt sich der Blick einer Anwältin oder eines Anwalts.

Wann eine Schulung Sinn macht – und wann nicht

Sinn macht eine kurze Grundschulung für alle, die im Betrieb mit KI arbeiten. Dazu ein Nachweis und eine Auffrischung, wenn neue Tools dazukommen. Die Inhalte sollten zu deinem Alltag passen. Ein Team, das Mails formuliert, braucht andere Beispiele als eine Werkstatt mit Bildauswertung.

Gute Themen für die Einführung sind:

  • Erlaubte Tools. Mit welchem Konto wird gearbeitet? Private Gratis-Konten sind für Firmendaten keine gute Idee.
  • Tabu-Daten. Gesundheitsdaten, Bewerbungen und Kundendaten gehören nicht ungeprüft in ein Cloud-Tool.
  • Falsche Antworten. KI klingt sicher, auch wenn sie sich irrt. Zahlen und Namen immer an der Quelle prüfen.
  • Kennzeichnung. Wann du KI-Inhalte kennzeichnen musst, regelt ein anderer Artikel. Mehr dazu im Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50.

Wenig Sinn machen teure Zertifikatskurse, die mit „Pflicht“ werben. Ein Zertifikat verlangt der AI Act nicht. Auch eine einmalige Schulung, die danach in der Schublade liegt, bringt wenig. KI-Tools ändern sich schnell, deine Einführung sollte mitwachsen.

Checkliste: KI-Kompetenz in deinem Betrieb

Hake ab, was in deinem Betrieb schon passt. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert.

  1. Ich habe aufgeschrieben, welche KI-Tools im Betrieb genutzt werden. Frag im Team nach. Auch Gratis-Tools am Handy und KI-Funktionen in Office-Programmen zählen.
  2. Ich weiß, wer im Team mit KI arbeitet. Mach eine Liste mit Namen. Dazu notierst du, wofür jede Person KI nutzt.
  3. Jede dieser Personen hat eine kurze Einführung bekommen. Geh die Liste durch. Fehlt jemand, plane einen Termin.
  4. Die Einführung erklärt Chancen und Risiken, auch falsche Antworten. Kam vor, welche Daten nie in die KI gehören? Und dass die KI Fakten erfinden kann?
  5. Ich habe Datum und Inhalt der Einführung notiert. Die Vorlage im PDF reicht als interne Aufzeichnung.
  6. Neue Mitarbeitende bekommen die Einführung beim Start. Steht die Einführung auf deiner Liste für den ersten Arbeitstag?
  7. Ich prüfe einmal im Jahr, ob die Einführung noch passt. Trag dir einen Termin ein. Neue Tools oder neue Regeln? Dann auffrischen.

PDF, 3 Seiten, 47 KB · mit Vorlage für den Schulungsnachweis · barrierefrei nach PDF/UA · Kästchen am Bildschirm abhakbar · frei, ohne Anmeldung

Häufige Fragen

Brauche ich ein KI-Zertifikat für meine Mitarbeitenden?

Nein. Die EU-Kommission schreibt ausdrücklich, dass kein Zertifikat nötig ist. Eine interne Aufzeichnung der Schulungen reicht. Seit der Änderung im Juli 2026 musst du außerdem kein bestimmtes Wissensniveau garantieren.

Gilt das auch, wenn mein Team nur ChatGPT nutzt?

Ja. Wer ein KI-Tool beruflich einsetzt, ist Betreiber im Sinn des AI Act. Das gilt auch für ein Chat-Tool im Büro. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung.

Was hat sich durch den Digital Omnibus geändert?

Seit dem 27. Juli 2026 musst du Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz deiner Leute zu unterstützen. Vorher solltest du ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz nach besten Kräften sicherstellen. Außerdem wurden die Fristen für Hochrisiko-KI verschoben, auf Dezember 2027 und August 2028.

Gibt es Strafen, wenn ich nichts mache?

Möglich ist es. Laut EU-Kommission können nationale Behörden Verstöße gegen Artikel 4 ahnden, seit August 2026. Strafen müssen aber verhältnismäßig sein und den Einzelfall berücksichtigen. Wer eine dokumentierte Einführung vorweisen kann, steht deutlich besser da.

Gilt der AI Act in der Schweiz?

Nicht als Schweizer Recht. Er gilt aber auch für Schweizer Firmen, wenn das Ergebnis ihrer KI in der EU verwendet wird. Wer Kunden in Deutschland oder Österreich hat, sollte die Regel deshalb kennen.

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Quellen

KI-Transparenz: Die Beitragsbilder in diesem Blog werden mit KI generiert, die Texte entstehen in der Regel mit KI-Unterstützung. Jeder Beitrag wird von mir redaktionell geprüft und inhaltlich verantwortet. So arbeite ich mit KI

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Geschrieben von Christoph Purin

Webentwickler und zertifizierter Web Accessibility Expert aus Vorarlberg. WordPress seit 2005. Jeder Beitrag basiert auf echten Projekten — alles selbst getestet.
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