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DIN 1450: Was eine Schrift gut leserlich macht

Veröffentlicht: 27. Oktober 2026
Die DIN 1450 beschreibt, wann eine Schrift gut leserlich ist. Was die Norm empfiehlt, wie groß Schrift am Bildschirm sein sollte und was davon für Websites in Deutschland, Österreich und der Schweiz Pflicht ist.

Wer deine Texte mühsam entziffern muss, liest nicht weiter. Ob eine Schrift gut leserlich ist, ist keine Geschmacksfrage. Dafür gibt es in Deutschland eine eigene Norm, die DIN 1450. Dieser Beitrag ist der Auftakt meiner Serie Barrierefreie Typografie. Am Ende gibt es eine Checkliste zum Abhaken, auch als PDF.

Kurz gesagt

Die DIN 1450 beschreibt, wann eine Schrift gut leserlich ist: Größe, Form der Buchstaben, Abstände und Kontrast. Sie ist eine freiwillige Empfehlung, kein Gesetz, ursprünglich für Schilder gedacht und seit 2013 auch für Gedrucktes. Für Websites ist sie trotzdem eine gute Orientierung. Für die gesetzlichen Pflichten im Web sind die WCAG der Maßstab, die internationalen Regeln für barrierefreie Websites.

Was ist die DIN 1450?

Die DIN 1450 „Schriften – Leserlichkeit“ ist eine deutsche Norm. Ursprünglich ging es um Schilder im öffentlichen Raum. Seit 2013 gilt sie auch für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen und berücksichtigt ausdrücklich Menschen mit Sehbehinderung. Den Anstoß dazu gab der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). Die aktuelle Fassung ist von November 2024.

Erarbeitet hat die Fassung 2013 ein DIN-Ausschuss mit Fachleuten für Typografie, Design, Lichttechnik, Optik und Sehbehinderung. Ob eine Schrift schön ist oder zur Marke passt, regelt die Norm nicht. Solche Fragen soll man laut DIN Media zusätzlich abwägen.

Leserlich oder lesbar: zwei verschiedene Dinge

Die Norm unterscheidet zwei Begriffe, die im Alltag oft vermischt werden:

  • Leserlich heißt: Man kann die Buchstaben gut erkennen und auseinanderhalten. Es geht um die Schrift selbst, ihre Größe, Form und Abstände.
  • Lesbar heißt: Man versteht, was dasteht. Dafür braucht es zusätzlich einen guten Aufbau mit Absätzen und Überschriften und eine klare Sprache.

Ein Text kann gut leserlich sein und trotzdem schwer zu verstehen. Umgekehrt hilft der beste Text nichts, wenn man die Buchstaben nicht erkennt. Die DIN 1450 kümmert sich um die Leserlichkeit.

Vorher und nachher: Links ein Website-Text in sehr dünner, schmaler und eng gesetzter hellgrauer Schrift, in der I, l und 1 kaum zu unterscheiden sind. Rechts derselbe Text in einer kräftigeren, offenen Schrift mit normalen Abständen und dunkler Farbe, gut leserlich.
Gleicher Text, gleiche Größe. Links dünn, schmal und eng, rechts nach den Grundsätzen der DIN 1450.

Was das für dein Unternehmen heißt

Eine schwer leserliche Schrift kann dich Anfragen und Bestellungen kosten. Zuerst springen ältere Kunden ab und Menschen, die schlecht sehen.

Die DIN 1450 hilft dir bei Entscheidungen, die sonst nach Bauchgefühl fallen: Welche Schrift nehme ich für die neue Website? Taugt die Schrift aus dem Logo auch für längere Texte? Ist das hellgraue Design zu blass? Die Norm gibt dafür nachvollziehbare Kriterien.

Vier Textarten auf deiner Website

Die Norm unterscheidet vier Arten von Text, die Begriffe stammen aus der Norm. Alle vier gibt es auch auf deiner Website:

  • Lesetext: der normale Text in Absätzen, etwa auf deinen Leistungsseiten oder im Blog.
  • Konsultationstext: kurze Texte zum Nachschlagen, etwa Bildunterschriften oder Hinweise unter Formularfeldern. Er darf kleiner sein als der Lesetext.
  • Schautext: Überschriften und Hervorhebungen. Laut leserlich.info sollen sie mindestens 50 % größer sein als der Lesetext.
  • Signalisationstext: Text zur Orientierung, wie Schilder und Wegweiser. Auf einer Website am ehesten Menü und Buttons. Hier sind die Anforderungen am höchsten, weil man diesen Text im Vorbeigehen erfassen muss.

Die häufigsten Schwachstellen sehe ich bei Prüfungen im Kleingedruckten: winzige graue Schrift im Cookie-Banner, in der Fußzeile, bei Preisangaben und unter Formularfeldern. Genau dort stehen oft wichtige Informationen.

Die vier Textarten der DIN 1450 an einer Website gezeigt: Schautext als Überschrift, Lesetext als Absatz, Konsultationstext als kleiner Hinweis unter einem Formularfeld und Signalisationstext als Menü und Button.
Die vier Textarten der DIN 1450, übertragen auf eine Website.

Was die DIN 1450 empfiehlt

Den Normtext selbst darf ich hier nicht wiedergeben. Die Kernaussagen hat aber die Plattform leserlich.info aufbereitet. Sie ist ein Angebot des DBSV und wurde mit dem Büro von Prof. Florian Adler entwickelt, der an der Fassung 2013 im Normenausschuss mitgearbeitet hat. Die wichtigsten Punkte:

  • Die Größe hängt vom Abstand ab. Die Norm legt keine feste Schriftgröße fest. Je weiter weg der Text ist, desto größer muss er sein. Gemessen wird an der Höhe der Kleinbuchstaben wie x oder n. Die Werte gelten für Menschen, die normal oder mit Brille gut sehen. Für Menschen mit einer Sehbehinderung empfiehlt leserlich.info eine deutlich größere Schrift.
  • Nicht zu dünn. Die Linien der Buchstaben dürfen nicht zu fein sein. Sehr dünne Schriftvarianten, oft „Light“ oder „Thin“ genannt, sind für normalen Text meist zu schwach.
  • Nicht zu schmal und nicht zu eng. Normal breite Buchstaben sind besser als schmale. Den Abstand zwischen den Buchstaben soll man nicht verringern. Die genauen Werte wurden 2024 angepasst.
  • Genug Platz zwischen den Zeilen. Laut leserlich.info mindestens 120 % der Schriftgröße, am Bildschirm und bei langen Zeilen mehr.
  • Zeichen klar unterscheidbar. Zeichen, die man leicht verwechselt, sollen sich klar unterscheiden, etwa die Ziffer 1, das große I und das kleine l, oder O und 0.
  • Genug Kontrast. Dunkle Schrift auf hellem Grund ist der Normalfall. Für helle Schrift auf dunklem Grund empfiehlt leserlich.info eine etwas größere Schrift und etwas mehr Abstand zwischen den Buchstaben.

Welche Schriften diese Kriterien gut erfüllen, sagt die Norm nicht. Leserlich.info empfiehlt offene Schriften ohne Serifen, also ohne die kleinen Füßchen an den Buchstaben. Offen heißt: Buchstaben wie a, c und e sind weit geöffnet. Beispiele sind Verdana, Calibri, Open Sans, Source Sans und Noto Sans. Arial und Helvetica gelten dort wegen ihrer eher geschlossenen Formen als weniger geeignet. Der Leitfaden des deutschen Bundes zur barrierefreien Textgestaltung nennt zusätzlich IBM Plex Sans und Atkinson Hyperlegible. Atkinson Hyperlegible verwende ich auch auf purin.at. Der Leitfaden weist allerdings zu Recht darauf hin, dass keine Schrift automatisch für alle Menschen besser lesbar ist.

Wie groß Schrift am Bildschirm sein sollte

Weil die Norm mit dem Leseabstand rechnet, kann man daraus Werte für Bildschirme ableiten. Leserlich.info bietet dafür einen Schriftgrößenrechner. Der Leitfaden des Bundes nennt für normalen Text folgende Mindestgrößen, abgeleitet aus der DIN 1450. Pixel ist die übliche Maßeinheit für Schrift am Bildschirm:

  • Computer: 22 Pixel
  • Tablet: 18 Pixel
  • Handy: 14 Pixel

Am Handy reicht weniger, weil du es näher an die Augen hältst. Die Zahlen sind mit typischen Annahmen zu Abstand und Sehkraft berechnet. Sie zeigen eine Richtung: Am Computer sind 16 Pixel, der Standard vieler Websites, eher knapp. Mehr dazu im Beitrag über die Schriftgröße.

Was das Gesetz verlangt

Die DIN 1450 selbst ist keine Pflicht. DIN-Normen sind laut DIN grundsätzlich freiwillig. Verbindlich werden sie erst, wenn ein Vertrag oder ein Gesetz auf sie verweist. Für Websites tut das kein Gesetz.

  • Deutschland und Österreich: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) gelten seit 28. Juni 2025, zum Beispiel für Online-Shops und Buchungen im Internet. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen: weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme.
  • Welche Regeln genau: Die Gesetze nennen die WCAG nicht direkt. Als Maßstab gilt in der Praxis die europäische Norm EN 301 549, die die WCAG-Stufe AA übernimmt. Eine neue Fassung mit den WCAG 2.2 ist fertig und soll Ende 2026 offiziell gelten. Wer sie erfüllt, bei dem wird dann vermutet, dass er die Gesetze erfüllt.
  • Schweiz: Auf Grundlage des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) gelten die WCAG bisher nur für Websites des Bundes, über den Standard eCH-0059. Wer als Schweizer Unternehmen an Verbraucher in der EU verkauft, kann aber unter die EU-Regeln fallen.

Die deutsche Verordnung zum BFSG beschreibt die Schrift für Informationen zu Produkten und Dienstleistungen nur allgemein: „mit angemessener Größe und mit geeigneter Form“, mit ausreichendem Kontrast und passenden Abständen. Eine bestimmte Norm oder Größe nennt sie nicht.

Die WCAG legen keine Mindestschriftgröße fest. Sie verlangen, dass sich Text vergrößern lässt und dass Abstände anpassbar sind. Die DIN 1450 ergänzt das: Sie sagt, wie eine Schrift von Haus aus aussehen sollte, damit man sie gar nicht erst vergrößern muss.

Wann es sich lohnt und wann nicht

Am meisten bringt dir die DIN 1450, wenn du deine Website neu gestaltest. Dann wählst du die Schrift ohnehin neu, und eine gut leserliche kostet nicht mehr als eine schlecht leserliche. Auch für Drucksachen, Schilder im Geschäft und PDFs ist sie eine gute Grundlage.

Nicht nötig ist, deine bestehende Website Buchstabe für Buchstabe nachzumessen. Die Norm ist vor allem für Gedrucktes und Schilder ausgelegt. Es reicht, die groben Fehler zu finden: zu klein, zu dünn, zu eng, zu blass.

Für Logos und große Überschriften gelten die Kriterien weniger streng. Eine auffällige Schrift im Logo ist kein Problem, solange der normale Text gut leserlich ist.

Checkliste: leserliche Schrift auf deiner Website

Hake ab, was auf deiner Website schon passt. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert.

  1. Der Fließtext ist in einer offenen, serifenlosen Schrift gesetzt. Sehen a, e und s offen und rund aus, oder eng und geschlossen?
  2. Für Text wird kein dünner Schnitt verwendet. Wirkt die Schrift zart oder blass? Dann ist es oft ein Light- oder Thin-Schnitt.
  3. Ziffer 1, großes I und kleines l sind unterscheidbar. „Il1 O0“ in ein Feld deiner Website tippen und vergleichen.
  4. Der Fließtext ist am Desktop deutlich größer als 16 Pixel. Am Computer aus normalem Abstand lesen. Musst du dich vorbeugen?
  5. Überschriften sind klar größer als der Fließtext. Erkennst du die Gliederung, ohne zu lesen?
  6. Kleine Texte wie Hinweise und Fußzeile sind nicht winzig. Footer, Cookie-Banner, Preisangaben und Formular-Hinweise ansehen.
  7. Buchstaben stehen nicht enger als in der Schrift vorgesehen. Kleben Buchstaben in Überschriften oder Menüs aneinander?
  8. Text ist dunkel auf hellem Grund, nicht hellgrau. Ohne Brille oder bei Sonnenlicht am Handy lesen.

PDF, 2 Seiten, 28 KB · barrierefrei nach PDF/UA · Kästchen am Bildschirm abhakbar · frei, ohne Anmeldung

Für deinen Webentwickler

Diesen Teil kannst du so an die Person weitergeben, die deine Website betreut. Er übersetzt die Empfehlungen in CSS. Die Werte sind Ausgangspunkte, keine Normwerte. 18 px sind ein Kompromiss für alle Geräte, am Desktop kann die Schrift per Media Query größer werden.

/* Fließtext: offene Serifenlose, normaler Schnitt */
body {
  font-family: "Atkinson Hyperlegible Next", Verdana, sans-serif;
  font-weight: 400;          /* keine Light- oder Thin-Schnitte für Text */
  font-size: 1.125rem;       /* 18 px bei Browser-Standard, in rem */
  line-height: 1.5;
  letter-spacing: normal;    /* nie negativ */
  color: #232323;            /* dunkles Grau statt Hellgrau */
}

/* Überschriften: deutlich größer als der Fließtext */
h2 { font-size: 1.75rem; }

/* Konsultationstext: kleiner, aber nicht winzig */
small, .hint, figcaption { font-size: .9375rem; }

/* Heller Text auf dunklem Grund: etwas mehr Luft */
.dark { letter-spacing: .02em; }

Häufige Fragen

Ist die DIN 1450 für Websites Pflicht?

Nein. Sie ist eine freiwillige Norm und wird in keinem Gesetz zu Websites genannt. Für die gesetzlichen Pflichten im Web sind die WCAG der Maßstab.

Was ist der Unterschied zwischen leserlich und lesbar?

Leserlich heißt, dass man die Buchstaben gut erkennt. Lesbar heißt, dass man den Text versteht. Die DIN 1450 regelt die Leserlichkeit.

Welche Schrift erfüllt die DIN 1450?

Die Norm nennt keine Schriften, sondern Kriterien. Als gut geeignet gelten offene Schriften ohne Serifen in normaler Stärke, etwa Verdana, Calibri, Open Sans, Source Sans oder Atkinson Hyperlegible. Mit Neue Frutiger 1450 gibt es sogar eine Schrift, die eigens nach den Anforderungen der DIN 1450 gestaltet wurde.

Gilt die DIN 1450 auch in Österreich und der Schweiz?

Sie ist eine deutsche Norm, als Empfehlung aber überall nutzbar. Eine österreichische oder Schweizer Entsprechung habe ich nicht gefunden. Das österreichische Unternehmen capito hat zum Beispiel 2018 eine Studie zur Schrift in Leichter Sprache durchführen lassen, die auf der DIN 1450 aufbaut.

Du willst wissen, wie leserlich deine Website ist? Einen ersten Eindruck gibt der kostenlose Barrierefreiheits-Schnellcheck. Wenn du eine neue Website planst oder deine bestehende prüfen lassen willst, schau dir meine Leistungen zur Barrierefreiheit an oder schreib mir über die Kontaktseite. Weiter in der Serie geht es mit der Schriftgröße.

Quellen

KI-Transparenz: Die Beitragsbilder in diesem Blog werden mit KI generiert, die Texte entstehen in der Regel mit KI-Unterstützung. Jeder Beitrag wird von mir redaktionell geprüft und inhaltlich verantwortet. So arbeite ich mit KI

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Geschrieben von Christoph Purin

Webentwickler und zertifizierter Web Accessibility Expert aus Vorarlberg. WordPress seit 2005. Jeder Beitrag basiert auf echten Projekten — alles selbst getestet.
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