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WCAG-EM 2.0: Der W3C zeigt, wie man Barrierefreiheit wirklich prüft

Veröffentlicht: 25. Juli 2026
Der W3C hat am 23. Juli 2026 WCAG-EM 2.0 veröffentlicht – eine überarbeitete Methode, um Websites und Apps auf WCAG-Konformität zu prüfen. Was das für BFSG, BaFG und BehiG bedeutet.

Wie stellt man eigentlich fest, ob eine Website wirklich WCAG-konform ist – und nicht nur „gefühlt barrierefrei“? Genau dafür hat das World Wide Web Consortium (W3C) am 23. Juli 2026 eine überarbeitete Prüfmethode veröffentlicht: WCAG-EM 2.0 [W3C, WCAG-EM 2.0 Group Note Draft].

Was WCAG-EM überhaupt ist

WCAG-EM steht für „WCAG Evaluation Methodology“ und beschreibt kein neues Regelwerk, sondern einen Ablauf: Wie legt man den Prüfumfang fest, wie wählt man eine repräsentative Stichprobe aus Seiten oder Funktionen aus, wie bewertet man sie gegen die WCAG-Kriterien, und wie dokumentiert man das Ergebnis. Version 1.0 war ausschließlich auf Websites zugeschnitten. Version 2.0 erweitert das Ganze explizit auf Apps und andere digitale Produkte.

Warum das für dich als Website-Betreiber relevant ist

Für Unternehmen in Deutschland und Österreich reicht es seit dem 28. Juni 2025 nicht mehr, Barrierefreiheit „ungefähr“ umzusetzen. Wer unter das BFSG (Deutschland) oder das BaFG (Österreich) fällt, muss unter anderem eine Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen. Und genau da wird eine nachvollziehbare Prüfmethode praktisch: Sie liefert die Struktur, mit der sich belegen lässt, was geprüft wurde, wie die Stichprobe zustande kam und wo noch Lücken bestehen – deutlich überzeugender als eine pauschale Aussage wie „wir haben das geprüft“.

In der Schweiz gilt aktuell noch keine vergleichbare Pflicht für private Anbieter. Das BehiG verpflichtet bislang vor allem die öffentliche Hand; die Teilrevision, die auch private Online-Shops, Buchungsportale und E-Banking einschließen soll, ist derzeit für den 1. Januar 2027 geplant, aber noch nicht endgültig beschlossen. Wer als Schweizer Unternehmen aber aktiv an Kundschaft in der EU verkauft, kann schon heute unter das BFSG oder BaFG fallen – das Gesetz endet nicht an der Landesgrenze. Für alle drei Länder gilt: Eine sauber dokumentierte Prüfung ist die Grundlage, unabhängig davon, ob sie gerade verpflichtend ist oder nicht.

Wie eine Prüfung nach WCAG-EM grob abläuft

  1. Umfang festlegen: Welche Seiten, welche Funktionen (z. B. Checkout, Kontaktformular) werden geprüft?
  2. Stichprobe auswählen: Eine repräsentative Auswahl statt „wir schauen uns mal die Startseite an“.
  3. Gegen WCAG 2 prüfen: Jede Seite der Stichprobe wird gegen die relevanten Erfolgskriterien bewertet.
  4. Ergebnis dokumentieren: Nachvollziehbar, mit konkreten Fundstellen statt vager Einschätzung.

Ich verwende in meinen eigenen Prüfungen einen ähnlichen Ablauf, allerdings meistens etwas pragmatischer zugeschnitten auf KMU-Websites, die selten hunderte Unterseiten haben. Der Barrierefreiheit-Schnellcheck auf dieser Seite deckt schon einen ersten Teil davon automatisiert ab, ersetzt aber keine vollständige Prüfung nach WCAG-EM.

FAQ

Ist WCAG-EM 2.0 gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. WCAG-EM ist eine Methodik-Empfehlung des W3C, kein Gesetzestext. Verpflichtend sind BFSG, BaFG und die zugrunde liegende WCAG 2.1/2.2 AA – WCAG-EM beschreibt lediglich, wie man eine saubere Prüfung dazu aufbaut.

Muss ich meine bestehende Barrierefreiheitserklärung jetzt neu schreiben?

Nicht zwingend. Wenn deine bisherige Prüfung nachvollziehbar dokumentiert ist, bleibt sie gültig. WCAG-EM 2.0 liefert aber eine gute Vorlage, falls du deine Prüfung ohnehin überarbeiten willst oder bisher eher informell vorgegangen bist.

Reicht ein automatisierter Scan als Nachweis?

Automatisierte Tools decken nur einen Teil der WCAG-Kriterien ab – vieles wie sinnvolle Alt-Texte, Tastaturbedienbarkeit oder Verständlichkeit lässt sich nur manuell beurteilen. Ein automatisierter Scan ist ein guter Einstieg, aber kein vollständiger Nachweis.

Falls du dir nicht sicher bist, wie belastbar deine aktuelle Barrierefreiheitserklärung ist oder wie eine WCAG-EM-taugliche Prüfung für deine Seite aussehen würde: Ich unterstütze dabei, das strukturiert aufzusetzen, und erkläre dir transparent, wo die tatsächlichen Lücken liegen.

Mehr dazu: WCAG 2.2 AA verständlich erklärt, EAA/BaFG-Checkliste in 12 Schritten, meine Leistungen zu Webentwicklung & Barrierefreiheit oder Kontakt.

Quellen

KI-Transparenz: Die Beitragsbilder in diesem Blog werden mit KI generiert, die Texte entstehen in der Regel mit KI-Unterstützung. Jeder Beitrag wird von mir redaktionell geprüft und inhaltlich verantwortet. So arbeite ich mit KI

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Geschrieben von Christoph Purin

Webentwickler & CPWA-zertifizierter Accessibility-Experte aus Vorarlberg. WordPress seit 2005. Jeder Beitrag basiert auf echten Projekten — alles selbst getestet.
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