Die Barrierefreiheitserklärung ist das öffentliche Gesicht deiner Bemühungen um digitale Zugänglichkeit. Sie sagt klar: Das funktioniert schon barrierefrei, das noch nicht, und hier kannst du dich melden, wenn etwas hakt. Eine gute Erklärung ist kein Marketingtext. Sie ist ehrlich, konkret und überprüfbar.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Pflichtangaben hineingehören, wie du sie formulierst und wie du eine Vorlage sinnvoll an deine Situation anpasst. Hinweis vorab: Das ist eine fachliche Orientierung, kein Rechtsrat. Für eine rechtsverbindliche Beurteilung deines Einzelfalls hol dir bitte juristischen Rat.
Wer braucht eine Barrierefreiheitserklärung?
Zwei Welten treffen hier aufeinander. Öffentliche Stellen sind durch die Web-Richtlinie (EU) 2016/2102 und ihre nationale Umsetzung verpflichtet, eine Barrierefreiheitserklärung zu veröffentlichen. Hier gibt es klare amtliche Muster und Pflichtfelder.
Für private Unternehmen sieht die Lage anders aus. Der European Accessibility Act (EAA) und das österreichische Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) verlangen für betroffene Produkte und Dienstleistungen eine EU-Konformitätserklärung im technischen Sinn. Das ist nicht dasselbe wie die öffentliche Barrierefreiheitserklärung der Behörden. Trotzdem lohnt sich für jedes Unternehmen eine transparente Erklärung auf der Website. Sie schafft Vertrauen und dokumentiert deinen Status. Ob du betroffen bist, klärst du am besten zuerst über unsere EAA- und BaFG-Checkliste.
Die Pflichtangaben im Überblick
Die folgende Struktur orientiert sich an der EN 301 549 (Abschnitt zur Accessibility Statement) und an den behördlichen Mustererklärungen. Sie hat sich als robuster Aufbau bewährt:
- Geltungsbereich: Für welche Website, App oder welches Dokument gilt die Erklärung? Nenne die konkrete Domain.
- Konformitätsstatus: Ist das Angebot vollständig konform, teilweise konform oder nicht konform mit dem zugrunde liegenden Standard? Hier ist Ehrlichkeit entscheidend.
- Angewandter Standard: In der Regel die EN 301 549, die wiederum auf die WCAG in der Stufe AA verweist.
- Nicht barrierefreie Inhalte: Eine konkrete Liste der bekannten Probleme. Zum Beispiel: bestimmte PDF-Dokumente ohne Tags, ein Kartenmodul ohne Tastaturbedienung.
- Begründung: Warum sind diese Inhalte noch nicht barrierefrei? Etwa unverhältnismäßige Belastung oder Inhalte Dritter.
- Erstellungsdatum und Methode: Wann wurde die Erklärung erstellt und wie? Selbstbewertung oder externe Prüfung, zum Beispiel ein BITV-Test.
- Feedback-Mechanismus: Eine Kontaktmöglichkeit für Barrieren-Meldungen, idealerweise ein direkter Link auf deine Kontaktseite.
- Durchsetzungsverfahren: Bei öffentlichen Stellen ein Verweis auf die zuständige Schlichtungs- oder Beschwerdestelle.
Den Konformitätsstatus ehrlich beschreiben
Der häufigste Fehler: „Diese Website ist vollständig barrierefrei.“ Diese Aussage ist fast nie haltbar und kann zum Bumerang werden. Beschreibe stattdessen präzise. Eine teilweise Konformität ist normal und glaubwürdig.
Stütze deine Aussage auf eine echte Prüfung. Ein automatischer Test deckt nur einen Teil ab, oft unter der Hälfte aller relevanten Kriterien. Tastaturbedienbarkeit, sinnvolle Alternativtexte oder eine logische Fokusreihenfolge musst du manuell prüfen. Eine Erklärung, die nur auf einem Scan basiert, steht auf wackligen Beinen.
Bekannte Barrieren konkret benennen
Vage Formulierungen wie „einige Inhalte könnten Probleme bereiten“ helfen niemandem. Schreib stattdessen: „Die Anfahrtskarte auf der Kontaktseite ist derzeit nicht per Tastatur bedienbar. Eine textliche Adressangabe steht als Alternative bereit.“ So zeigst du, dass du dein eigenes Angebot kennst.
Vorlage: So könnte deine Erklärung aussehen
Eine pragmatische Struktur für ein KMU sieht so aus:
- Überschrift und Einleitung: „Erklärung zur Barrierefreiheit“ plus ein Satz zum Geltungsbereich.
- Stand der Vereinbarkeit: Konformitätsstatus mit angewandtem Standard und Stufe.
- Nicht barrierefreie Inhalte: Liste mit Begründung je Punkt.
- Erstellung dieser Erklärung: Datum, Prüfmethode, geplante nächste Überprüfung.
- Feedback und Kontakt: Wie und wo Nutzer Barrieren melden.
Eine fertige, anpassbare Struktur findest du auf unserer Seite Erklärung zur Barrierefreiheit. Sie eignet sich als Ausgangspunkt, den du an deine konkreten Befunde anpasst.
Halte die Erklärung lebendig
Eine Barrierefreiheitserklärung ist kein Dokument für die Schublade. Sie altert. Wenn du Barrieren behebst, gehört das in die Erklärung. Wenn du dein Angebot erweiterst, prüfst du es erneut. Setz dir einen festen Überprüfungsrhythmus, etwa jährlich oder bei jedem größeren Relaunch.
Sinnvoll ist es, die Erstellung der Erklärung an eine echte Prüfung zu koppeln. Wer seine Inhalte ohnehin auf WCAG 2.2 AA testet, hat die Datenbasis für eine belastbare Erklärung gleich mit. Praktische Werkzeuge dafür findest du in unserer Tool-Übersicht.
Fazit
Eine gute Barrierefreiheitserklärung ist ehrlich, konkret und aktuell. Sie nennt den Geltungsbereich, den Konformitätsstatus, die bekannten Barrieren mit Begründung und einen klaren Weg für Feedback. Vermeide pauschale Versprechen. Stütze deine Aussagen auf eine echte Prüfung, nicht nur auf einen automatischen Scan.
Du bist unsicher, was in deine Erklärung gehört oder ob deine Website den richtigen Standard erfüllt? Wir prüfen dein Angebot und formulieren eine belastbare Erklärung mit dir. Sieh dir unsere Leistungen rund um barrierefreie Webentwicklung an oder nimm direkt Kontakt auf.
