Beim Screenreader-Test prüfst du deine Seite mit genau der Software, mit der blinde und stark sehbehinderte Menschen das Web bedienen. Ein Screenreader liest Inhalte vor und gibt sie wahlweise auch auf einer Braillezeile aus. Dieser Test ist manuell und zeigt Probleme, die kein automatisches Tool findet.
Verbreitete Programme
- NVDA: kostenloser, quelloffener Screenreader für Windows von NV Access. Ein guter Einstieg zum Selbsttesten.
- JAWS: kommerzieller Screenreader für Windows, im professionellen Umfeld weit verbreitet.
- VoiceOver: in macOS und iOS fest eingebaut, ohne Zusatzsoftware nutzbar.
Verschiedene Screenreader und Browser verhalten sich nicht identisch. Wer auf Nummer sicher gehen will, prüft mehr als eine Kombination, etwa NVDA mit Firefox und VoiceOver mit Safari. Wichtig ist, dass du das Testen übst: Ein Screenreader bedient sich anders als gewohnt, und die ersten Versuche fühlen sich ungewohnt an. Schon eine Stunde Einarbeitung mit dem kostenlosen NVDA reicht, um grobe Probleme selbst zu hören.
Worauf du achtest
Im Test gehst du die Seite nur mit Tastatur und Audio durch und prüfst:
- ob die Überschriftenstruktur sinnvoll vorgelesen wird,
- ob Alternativtexte und ARIA-Label die richtige Bedeutung transportieren,
- ob der Fokus nachvollziehbar wandert und die Reihenfolge stimmt.
Der Screenreader-Test ist der ehrlichste Praxis-Check und ergänzt das, was automatische Tools nicht leisten. Er ist fester Bestandteil eines vollständigen BITV-Tests. Welche assistive Technologie jemand nutzt, ist individuell – teste deshalb mit echten Hilfsmitteln, nicht mit Annahmen. Achte beim Testen besonders auf dynamische Inhalte: Aufklappmenüs, Modals und Meldungen, die nach einer Aktion erscheinen, werden von Screenreadern oft übersehen, wenn sie technisch nicht korrekt angekündigt sind. Genau hier zeigt sich, ob deine Seite in der Praxis funktioniert oder nur auf dem Papier.