Seit Anfang Oktober 2026 gibt es für WordPress ein neues Feature-Plugin namens „Presence API“ – es zeigt an, wer in deinem WordPress gerade mitarbeitet, an welchem Beitrag und seit wann. Das Besondere dabei: Die Aufzeichnung läuft standardmäßig mit, ohne dass irgendjemand das extra einschalten muss. Schonmal überlegt, wer in deinem Team eigentlich sieht, wann du online bist?
Was die Presence-API genau macht
Die Presence-API ist (noch) kein fester Bestandteil von WordPress, sondern ein offizielles Feature-Plugin des Core-Teams – also eine Art Testlauf für eine mögliche spätere Core-Funktion [make.wordpress.org]. Sie zeigt im Admin-Bereich per Avatar an, wer gerade an einem Beitrag oder einer Seite arbeitet, verhindert dadurch, dass sich zwei Redakteure gegenseitig überschreiben („Post Locks“), und funktioniert seit dem jüngsten Update auch über ganze Multisite-Netzwerke hinweg. Neu seit Anfang Oktober: Die Sperr-Informationen liegen jetzt in einer eigenen Datenbanktabelle statt in den Post-Metadaten, das Plugin erkennt inzwischen auch KI-Agenten als „Mitarbeiter“ und läuft laut Entwicklerteam performanter als die ersten Testversionen vom April [make.wordpress.org].
Standardmäßig aktiviert – das sollte man wissen
Im Ankündigungstext steht es ziemlich unmissverständlich: „Recording is on by default.“ Wer das Plugin installiert, bekommt die Aufzeichnung also automatisch mitgeliefert – abschalten lässt sie sich pro Website unter Einstellungen > Allgemein, im Netzwerk-Modus zentral unter Netzwerkverwaltung > Einstellungen [make.wordpress.org]. Ich finde es grundsätzlich sinnvoll, dass neue Core-nahe Funktionen überhaupt einen Schalter dafür haben – bei WordPress war das „einfach an, basta“ in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Trotzdem schaue ich mir solche Erweiterungen immer erst im Testbetrieb an, bevor sie bei einem Kundenprojekt auftauchen, gerade wenn „standardmäßig aktiviert“ im Changelog steht.
Wichtig für die Einordnung: Erfasst wird nicht der Bildschirminhalt oder Ähnliches – „Recording“ meint hier reines Aktivitäts-Tracking, also wer online ist, an welchem Beitrag er sitzt und seit wann. Für reine Website-Besucher ändert sich dadurch nichts, betroffen sind ausschließlich Personen mit einem Login im Backend – bei den meisten KMU-Seiten also eine Handvoll Redakteure oder das Agentur-Team.
Was das für den Datenschutz bedeutet
Wer wann online ist und woran arbeitet, ist ein personenbezogenes Datum – damit ist die DSGVO im Spiel, und zwar unabhängig davon, ob dein Unternehmen in Deutschland oder Österreich sitzt, da beide Länder dieselbe EU-Verordnung anwenden. In der Schweiz gilt mit dem revDSG ein eigenes, inhaltlich ähnliches Datenschutzgesetz, nur mit einer anderen zuständigen Behörde (dem EDÖB statt einer Landesdatenschutzbehörde) – rechtlich also kein automatischer Freifahrtschein, auch wenn die Schweiz kein EU-Mitglied ist. Das Plugin selbst bringt laut Ankündigung bereits Bausteine für eine Datenschutzerklärung sowie Export- und Löschfunktionen für die erfassten Präsenzdaten mit [make.wordpress.org] – das nimmt dir die rechtliche Prüfung aber nicht ab, es erleichtert sie nur technisch.
In der Praxis bedeutet das: Wenn du oder dein Team mit diesem Feature arbeitet, gehört die Verarbeitung in dein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, und wenn Mitarbeitende betroffen sind, lohnt sich vorher ein kurzer Blick auf Mitbestimmungsrechte (in Deutschland etwa über den Betriebsrat, in Österreich über den Betriebsrat bzw. die Personalvertretung) – schließlich geht es im Kern um eine Form von Arbeitszeit- und Aktivitätserfassung.
Kommt das in WordPress 7.2?
Offiziell bestätigt ist eine Core-Aufnahme noch nicht – das Entwicklerteam beschreibt die Presence-API weiterhin als Feature-Plugin mit der Perspektive auf eine spätere Integration, ohne sich auf eine Version festzulegen [make.wordpress.org]. WordPress 7.2 ist für 8. bis 10. Dezember 2026 angesetzt, die erste Beta ab 20. Oktober 2026 – bis dahin kann sich noch einiges ändern. Ich behalte das im Blick und schreibe nach, sobald es dazu Genaueres gibt.
Häufige Fragen
Muss ich die Presence-API aktiv installieren, oder ist sie schon in meinem WordPress?
Sie ist ein separates Feature-Plugin, kein Bestandteil des WordPress-Cores. Ohne eigene Installation läuft bei dir aktuell nichts davon mit.
Betrifft das meine Website-Besucher?
Nein. Erfasst wird ausschließlich, wer im Backend eingeloggt ist und woran gerade gearbeitet wird – also dein Redaktionsteam, nicht deine Besucher.
Wie schalte ich die Aufzeichnung ab, falls ich das Plugin schon nutze?
Unter Einstellungen > Allgemein auf der jeweiligen Website, bei Multisite-Netzwerken zentral unter Netzwerkverwaltung > Einstellungen.
Ändert sich für mein Schweizer Unternehmen etwas, weil die Schweiz kein EU-Mitglied ist?
Beim revDSG gilt ein eigenes Gesetz mit eigener Behörde (EDÖB), inhaltlich aber eine vergleichbare Pflicht zur rechtmäßigen Verarbeitung von Mitarbeiterdaten wie unter der DSGVO.
Falls du nicht genau weißt, welche Plugins und Funktionen in deinem WordPress mittlerweile von selbst mitlaufen und was davon datenschutzrechtlich relevant werden könnte, schaue ich mir das gerne mit dir an – im Rahmen der laufenden WordPress-Wartung oder als einmaligen Check. Einfach über die Kontaktseite melden.
