Ein Kunde hat mich letzte Woche gefragt, warum sein Shop zwar auf Seite 1 bei Google steht, in der KI-Zusammenfassung darüber aber ein Mitbewerber zitiert wird, der bei den normalen Treffern gar nicht auftaucht. Ich musste zugeben: Das ist inzwischen der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Die Zahlen sind deutlicher, als ich gedacht hätte
Ahrefs hat rund 863.000 Keywords und 4 Millionen Zitate in Google AI Overviews ausgewertet. Im Juli 2025 stammten noch etwa 76 % der zitierten Seiten aus den Top 10 der normalen Suchergebnisse [Ahrefs]. Bis März 2026 ist dieser Wert auf rund 38 % gefallen. BrightEdge kam im Oktober 2025 mit einer eigenen Auswertung auf 54 % Überschneidung [BrightEdge] – der Trend zeigt seither konsequent nach unten.
Semrush hat sich die andere Richtung angeschaut: Nur 44,3 % der Seiten, die bei Google organisch auf Seite 1 stehen, tauchen überhaupt in irgendeiner KI-Antwort auf [Semrush]. Mehr als die Hälfte der Top-10-Rankings wird von den KI-Systemen schlicht ignoriert.
Was mich am meisten überrascht hat: Laut Pew Research klicken Nutzer:innen, denen eine KI-Zusammenfassung angezeigt wird, nur noch in 8 % der Fälle auf einen „normalen“ Treffer – ohne KI-Zusammenfassung sind es 15 % [Pew Research]. Auf die zitierte Quelle innerhalb der Zusammenfassung selbst klicken sogar nur 1 % der Nutzer:innen.
Warum das passiert
Die KI-Systeme suchen nicht mehr „die besten zehn Seiten“ wie ein klassischer Suchalgorithmus. Sie suchen die Textstelle, die eine Frage am direktesten beantwortet – egal, auf welchem Rang die Seite insgesamt steht. Eine Unterseite mit einer klaren, gut strukturierten Antwort schlägt regelmäßig eine Seite, die zwar insgesamt besser rankt, ihre Antwort aber in drei Absätzen Einleitung versteckt.
Das deckt sich mit dem, was ich in den letzten Monaten bei eigenen Projekten gesehen habe: Seiten mit klaren H2/H3-Fragen, kurzen Antwortabsätzen direkt darunter und sauberem Schema-Markup werden öfter zitiert als lange, gut geschriebene, aber unstrukturierte Texte – unabhängig vom Google-Ranking.
Was du jetzt konkret prüfen kannst
Ein paar Dinge, die sich in der Praxis auszahlen:
Formuliere Zwischenüberschriften als Fragen, die deine Zielgruppe tatsächlich stellt – und beantworte sie im ersten Satz danach, nicht im dritten Absatz.
Baue FAQ- und Article-Schema ein, wo es inhaltlich passt. Ich verwende dafür meistens Rank Math, weil es die Struktur sauber in JSON-LD ausgibt, ohne dass man selbst Code schreiben muss.
Prüfe regelmäßig in der Google Search Console, ob und wie oft deine Seiten in KI-Overviews auftauchen – seit einiger Zeit gibt es dafür einen eigenen Bericht.
Verlass dich nicht mehr allein auf die Top-10-Platzierung als Erfolgsmaßstab. Wenn eine Unterseite in AI Overviews zitiert wird, aber organisch „nur“ auf Platz 15 steht, ist das trotzdem ein Erfolg – nur eben einer, den klassische Rank-Tracker nicht zeigen.
Häufige Fragen
Heißt das, klassisches SEO ist jetzt egal?
Nein. Ohne solide technische Basis, Ladezeit und relevante Inhalte wirst du auch von KI-Systemen nicht ernst genommen. Aber die Top-10-Position allein reicht nicht mehr als Ziel.
Muss ich meine ganze Website umbauen?
In der Regel reicht es, bestehende Inhalte gezielt nachzuschärfen: klare Zwischenüberschriften, direkte Antworten, sauberes Schema. Ein kompletter Relaunch ist selten nötig.
Wie messe ich, ob es wirkt?
Über den AI-Overview-Bericht in der Google Search Console und – falls vorhanden – über Tools, die KI-Zitate über mehrere Plattformen hinweg tracken.
Wenn du wissen willst, wo deine Website aktuell steht und was sich mit vertretbarem Aufwand verbessern lässt, schau ich mir das gern gemeinsam mit dir an. Auch ganz ohne Verkaufsgespräch, einfach ein ehrlicher Blick auf die Zahlen.
Quellen
- Ahrefs: AI Overview Citations Study (2026)
- Semrush: AI-Sichtbarkeit von Top-10-Rankings (2026)
- Pew Research Center: Google AI-Zusammenfassungen und Klickverhalten (2026)
Mehr zum Thema KI und Sichtbarkeit findest du unter KI & Digitalisierung. Wenn du deine Website checken lassen willst, meld dich einfach über die Kontaktseite.
