Ab 12. August 2026 gilt die PPWR, die neue EU-Verpackungsverordnung. Sie betrifft so gut wie jeden Online-Shop, der Waren verpackt oder versendet – auch kleine [eRecht24]. Wenn du mit WooCommerce verkaufst, kommt da etwas auf dich zu. Die gute Nachricht: Der Großteil der Pflichten greift erst ab 2030. Ab August 2026 wird es trotzdem schon konkret.
Was ist die PPWR überhaupt?
PPWR steht für „Packaging and Packaging Waste Regulation“, auf Deutsch die EU-Verpackungsverordnung, offiziell Verordnung (EU) 2025/40. Sie ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und gilt ab dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten [eRecht24]. Anders als eine Richtlinie muss eine Verordnung nicht erst in nationales Recht übersetzt werden – sie gilt direkt, ohne Umweg über ein deutsches oder österreichisches Gesetz.
Das deutsche Verpackungsgesetz mit der LUCID-Registrierung und der Beteiligung an einem dualen System bleibt daneben bestehen. Die PPWR kommt als zusätzliche Ebene dazu, nicht als Ersatz [eRecht24].
Was gilt schon ab 12. August 2026?
Die meisten der bekannten PPWR-Vorgaben – Rezyklatanteile, Recyclingfähigkeit, Mehrwegquoten – greifen erst 2030 oder später. Ab August 2026 werden aber schon einige Dinge verbindlich:
- Konformitätsbewertung und EU-Konformitätserklärung für Verpackungen
- Technische Dokumentation, die die Einhaltung der Vorgaben belegt
- Pflichten zur Rückverfolgbarkeit für Hersteller, Importeure und Händler
- Grenzwerte für Schwermetalle: Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertiges Chrom dürfen zusammen 100 mg/kg nicht überschreiten
- PFAS-Grenzwerte für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt
[WKO, eRecht24]
Was kommt erst später?
Der Rest der Verordnung wird stufenweise bis 2040 eingeführt:
- Ab 1. Januar 2030: Leerraum in Versandverpackungen darf höchstens 50 % betragen (Art. 24 PPWR)
- Ab 1. Januar 2030: Mindestanteile an Rezyklat bei Kunststoffverpackungen, je nach Verpackungsart zwischen 10 % und 35 %, ab 2040 zwischen 25 % und 65 % (Art. 7 PPWR)
- Ab 1. Januar 2030: Verbot bestimmter Verpackungsarten, etwa Umkartons, die ein Produkt nur größer wirken lassen sollen (Art. 25, Anhang V PPWR)
- Eine EU-weit einheitliche Kennzeichnung für Verpackungen (Art. 12 PPWR) – die EU-Kommission soll bis 12. August 2026 festlegen, wie sie konkret aussieht. Für Händler heißt das noch nicht, dass ab diesem Datum alle Verpackungen neu beschriftet sein müssen [eRecht24]
Gilt das auch für kleine WooCommerce-Shops?
Ja. Die PPWR unterscheidet nicht nach Unternehmensgröße oder Umsatz. Eine generelle Ausnahme für kleine Shops gibt es nicht – nur bei den Mehrwegzielen sieht Art. 29 Abs. 13 PPWR eine Erleichterung für KMU vor [eRecht24]. Bei Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteilen, Verpackungsminimierung und Kennzeichnung gilt die Verordnung grundsätzlich für alle, die Verpackungen in Verkehr bringen – auch für Marktplatzhändler auf Amazon oder eBay, und auch beim Dropshipping, je nachdem, wer die Verpackung tatsächlich in Verkehr bringt.
Deutschland, Österreich, Schweiz: wo genau greift die PPWR?
Deutschland
Die PPWR gilt unmittelbar. Das deutsche Verpackungsgesetz mit LUCID-Registrierung und dualem System läuft parallel weiter, wird aber in einzelnen Punkten an die EU-Vorgaben angepasst [eRecht24].
Österreich
Auch in Österreich gilt die PPWR ab 12. August 2026 unmittelbar, ohne eigenes Umsetzungsgesetz. Die Wirtschaftskammer stellt für den Versandhandel eigene FAQ und ein Merkblatt bereit, weil die konkrete Einordnung – bin ich Hersteller, Importeur oder Händler – im Einzelfall unterschiedlich ausfallen kann [WKO].
Schweiz
Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied, die PPWR gilt dort nicht automatisch fürs Inlandsgeschäft. Aber: Sobald ein Schweizer Shop Waren direkt an Endkund:innen in der EU verkauft und versendet, bringt er dort Verpackungsmaterial in Umlauf – und fällt damit unter die erweiterte Herstellerverantwortung der PPWR [Handelskammer Deutschland Schweiz]. Das ist ein Muster, das mir auch von der Barrierefreiheit her bekannt vorkommt: Diese EU-Gesetze enden nicht an der Grenze, sondern folgen dem Absatzmarkt. Wer aus der Schweiz in die EU verkauft, sollte das nicht ignorieren, nur weil der Firmensitz außerhalb liegt.
Was du als WooCommerce-Betreiber jetzt tun kannst
Ich sehe bei den Shops, die ich betreue, oft dasselbe Bild: Die Versandkartons wurden einmal festgelegt und seither nie wieder infrage gestellt. Genau da lohnt sich jetzt ein zweiter Blick.
- Verschaff dir einen Überblick über deine aktuellen Produkt- und Versandverpackungen und die verwendeten Materialien
- Frag deine Verpackungslieferanten, was sie zu Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteilen bereits wissen
- Bereite Dokumentation vor, die zeigt, welche Verpackungen du einsetzt und woher die Informationen dazu stammen
- Prüfe Aussagen wie „nachhaltig“ oder „recycelbar“ in Produktbeschreibungen und Werbetexten auf ihre Belegbarkeit
- Wenn du Eigenmarken führst oder aus Nicht-EU-Ländern importierst, schau bei der Verpackung besonders genau hin
Wer ein WooCommerce mit Germanized betreibt, hat für die rechtlichen Textbausteine schon eine gute Grundlage – die PPWR betrifft aber die Verpackung selbst, nicht die Rechtstexte im Shop.
Häufige Fragen
Muss ich als kleiner Shop schon jetzt etwas umstellen?
Nicht zwingend sofort. Die materiellen Anforderungen an Verpackungsdesign und Recyclingfähigkeit greifen größtenteils erst ab 2030. Ab August 2026 solltest du aber wissen, welche Rolle du in der Lieferkette hast und ob dich die Dokumentationspflichten betreffen.
Gilt die PPWR auch, wenn ich über Amazon oder eBay verkaufe?
Ja. Der Verkauf über einen Marktplatz befreit dich nicht von den Verpackungspflichten. Entscheidend ist deine Rolle als Hersteller, Importeur oder Händler, nicht der Vertriebskanal.
Was passiert, wenn ich die PPWR ignoriere?
Es drohen Bußgelder, im schlimmsten Fall ein Vertriebsverbot für betroffene Produkte, und wettbewerbsrechtliche Abmahnungen durch Mitbewerber oder Verbraucherschutzverbände [eRecht24].
Ich verkaufe aus der Schweiz auch nach Deutschland und Österreich – betrifft mich das?
Ja, sobald du direkt an Endkund:innen in der EU versendest. Die PPWR fragt nicht nach dem Firmensitz, sondern danach, wo die Verpackung in Verkehr gebracht wird [Handelskammer Deutschland Schweiz].
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Für die verbindliche Einordnung deiner konkreten Situation empfehle ich, mit einer spezialisierten Kanzlei oder der Wirtschaftskammer zu sprechen.
Ich betreue WooCommerce-Shops im Rahmen meiner WordPress-Wartung auch technisch – dazu gehört, dass ich neue gesetzliche Entwicklungen im Blick behalte und dich rechtzeitig informiere, statt dich von so etwas überraschen zu lassen. Wenn du unsicher bist, ob und wie die PPWR deinen Shop betrifft, schreib mir einfach.
Quellen
- eRecht24: „Ab August 2026 gilt die neue EU-Verpackungsverordnung – sind Sie als Shopbetreiber vorbereitet?“, Stand 26. Juni 2026
- WKO: „EU-Verpackungsverordnung: PPWR-Pflichten ab 2026“
- Handelskammer Deutschland Schweiz: „Neue EU-Regeln für Verpackungen mit der PPWR: Was Schweizer Unternehmen wissen müssen“
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR), Volltext
