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Der Widerrufsbutton kommt: § 13a FAGG in WooCommerce umsetzen

Veröffentlicht: 16. Juni 2026
Österreichische Webshops brauchen bald eine Online-Rücktrittsfunktion, den Widerrufsbutton. So setzt du ihn mit Germanized in WooCommerce um, und das ist beim aktuellen Gesetzesstand zu beachten.
Beitragsbild: Der Widerrufsbutton nach § 13a FAGG in WooCommerce

Bisher hat eine gute Widerrufsbelehrung gereicht. Das ändert sich gerade. Verbraucher sollen einen Vertrag online genauso leicht widerrufen können, wie sie ihn abschließen. Heißt für dich: Dein Shop braucht eine eigene Online-Rücktrittsfunktion, den sogenannten Widerrufsbutton.

Worum es rechtlich geht

Grundlage ist die EU-Richtlinie 2023/2673 mit dem neuen Artikel 11a. Sie sieht vor, dass die Rücktrittsfunktion EU-weit ab dem 19. Juni 2026 zur Anwendung kommt. Österreich setzt das mit dem Verbraucherrechts-Änderungsgesetz 2026 (VerbRÄG 2026) um und verankert die Funktion im neuen § 13a FAGG. Betroffen sind Verträge, die mit Verbrauchern über eine Online-Oberfläche abgeschlossen werden.

Ehrlich zum Stand: In Österreich ist das VerbRÄG 2026 noch nicht in Kraft. Die Regierungsvorlage wurde im Mai 2026 im Nationalrat eingebracht und dem Justizausschuss zugewiesen, der Beschluss steht aber noch aus. Der ursprünglich geplante Stichtag 19. Juni 2026 ist damit verstrichen, ohne dass die Pflicht in Österreich schon gilt. Das tatsächliche Inkrafttreten verschiebt sich nach hinten und steht derzeit noch nicht fest. In Deutschland ist die parallele Regelung (§ 356a BGB) dagegen bereits seit 19. Juni 2026 in Kraft.

An der Grundpflicht und an der inhaltlichen Ausgestaltung wird sich kaum etwas ändern, weil beides durch die EU-Richtlinie vorgegeben ist. Deshalb ist es sinnvoll, den Button schon jetzt einzurichten. Den genauen Stichtag und den Wortlaut deiner Belehrung gleichst du nach der Kundmachung des VerbRÄG 2026 noch einmal mit dem kundgemachten Gesetzestext ab.

Wer betroffen ist und wer nicht

Betroffen sind B2C-Shops, die online verkaufen. Nicht betroffen sind reine B2B-Shops ohne Verbraucher-Rücktrittsrecht und Verträge, die nur über individuelle Kommunikation wie Telefon oder E-Mail zustande kommen. Bei Produkten, für die das Rücktrittsrecht ausgeschlossen ist (Maßanfertigung, schnell Verderbliches, versiegelte Hygieneartikel nach Entsiegelung), muss der Ausschluss sauber im Prozess abgebildet sein.

Wie der Button aussehen muss

  • Beschriftung: gut lesbar mit den Worten „Vertrag widerrufen“ oder einer gleich eindeutigen Formulierung. Halte dich am besten wörtlich daran.
  • Platzierung: hervorgehoben und leicht zu finden, zum Beispiel im Footer. Kein Login als Voraussetzung, auch Gastbesteller müssen rankommen.
  • Verfügbarkeit: während der gesamten 14-tägigen Rücktrittsfrist durchgehend erreichbar.
  • Ablauf in zwei Schritten: Der Klick führt auf ein Formular. Dort gibt der Kunde Name, Vertragsidentifikation (zum Beispiel Bestell- oder Rechnungsnummer) und eine Kontaktmöglichkeit für die Bestätigung an. Darunter ein zweiter, finaler Bestätigungsbutton.
  • Eingangsbestätigung: Nach dem Absenden bekommt der Kunde unverzüglich eine Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger, in der Praxis per E-Mail.

Ein reiner Textlink zur Widerrufsbelehrung oder ein PDF-Download reicht nicht. Es muss eine interaktive Funktion sein.

Wichtig für Österreich: Das Muster bleibt zusätzlich

Das Muster-Widerrufsformular nach Anhang I Teil B FAGG bleibt gemäß § 4 Abs. 1 Z 8 FAGG weiterhin Pflicht. Der Button kommt also obendrauf, er ersetzt nichts. Deine Rücktrittsbelehrung erweiterst du um einen Hinweis auf die neue Funktion, sinngemäß: „Du kannst deinen Rücktritt auch über unseren Widerrufsbutton ausüben.“

Umsetzung in WooCommerce mit Germanized

Gute Nachricht: Wenn du Germanized einsetzt, ist die Funktion ab Version 4.0 bereits dabei, in der kostenlosen Version genauso wie in Pro. Ein extra Plugin brauchst du nicht.

  1. Aktualisiere Germanized auf mindestens Version 4.0.
  2. Öffne WooCommerce > Einstellungen > Germanized > Allgemein > Widerrufsbutton und aktiviere die Funktion.
  3. Germanized legt eine Seite „Vertrag widerrufen“ als Entwurf an. Sie enthält den Shortcode [eu_owb_order_withdrawal_request_form] für das Formular. Prüfe die Seite und veröffentliche sie.
  4. Binde den Button sichtbar ein. Am einfachsten über die Footer-Option in den Einstellungen. Wenn das mit deinem Theme optisch nicht passt, platzierst du ihn manuell mit dem Shortcode [eu_owb_order_withdrawal_button].
  5. Kontrolliere die E-Mail-Vorlagen zum Widerruf unter WooCommerce > Einstellungen > E-Mails, vor allem die Eingangsbestätigung.
  6. Teste den kompletten Ablauf einmal als Gast und einmal als eingeloggter Kunde, auch am Smartphone.

Bricks-Tipp für die Platzierung

Tipp: In Bricks bindest du den Button am saubersten direkt im Footer-Template ein. Setz dort ein Shortcode-Element mit [eu_owb_order_withdrawal_button] und gib ihm über eine Global Class einen sichtbaren Look. So ist die Funktion auf jeder Shop-Seite durchgehend verfügbar, ohne dass du die Footer-Automatik von Germanized brauchst.

Was passiert, wenn du es ignorierst

Sobald die Pflicht in Österreich in Kraft ist, drohen bei fehlendem oder falsch umgesetztem Button Abmahnungen und Verwaltungsstrafen. Dazu kommt das praktische Risiko, dass sich bei mangelhafter Belehrung die Rücktrittsfrist für den Kunden deutlich verlängert. Der Aufwand für die saubere Einrichtung ist überschaubar, das Risiko ohne sie nicht. Wer jetzt vorbereitet, ist zum Stichtag fertig.

Dieser Beitrag ist eine technische Anleitung und ersetzt keine Rechtsberatung. Den finalen Wortlaut deiner Belehrung und den genauen Gesetzesstand prüfst du nach der Kundmachung des VerbRÄG 2026 oder mit deinem Rechtsbeistand.

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Geschrieben von Christoph Purin

Webentwickler & CPWA-zertifizierter Accessibility-Experte aus Vorarlberg. WordPress seit 2005. Jeder Beitrag basiert auf echten Projekten — alles selbst getestet.
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