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EAA ist in Kraft: Die 7 häufigsten Barrierefreiheits-Fehler auf KMU-Websites – und wie du sie behebst

Veröffentlicht: 27. März 2026
Seit 28. Juni 2025 ist Barrierefreiheit für viele Websites Pflicht. Die sieben Fehler, die ich in Audits am häufigsten sehe – mit konkreten Lösungen für WordPress.
Beitragsbild: Die 7 häufigsten EAA-Barrierefreiheits-Fehler auf KMU-Websites

Seit dem 28. Juni 2025 ist digitale Barrierefreiheit kein Nice-to-have mehr, sondern Gesetz. In Österreich über das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG), in Deutschland über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) – beide setzen die europäische Richtlinie European Accessibility Act (EAA) um. Für viele Unternehmen heißt das: Die Website muss barrierefrei sein. Nicht irgendwann. Jetzt.

Die gute Nachricht: Die meisten Probleme, die ich in Audits finde, sind dieselben sieben. Wenn du die behebst, bist du dem Großteil aller Websites voraus. In diesem Artikel zeige ich dir, welche das sind und wie du sie in WordPress konkret löst.

Worum es rechtlich geht – kurz und ohne Panik

Der Maßstab ist die EU-Norm EN 301 549, die für Websites auf die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 auf Stufe AA verweist. Das ist der gesetzliche Mindeststandard. WCAG 2.2 ist die aktuellere Fassung und empfehlenswert, aber 2.1 AA ist das, woran gemessen wird.

Wen es trifft: In Österreich gilt das BaFG seit 28. Juni 2025. Für digitale Angebote, die vorher schon existierten, läuft eine Übergangsfrist bis 28. Juni 2030. Verstöße können mit Geldstrafen bis zu 80.000 Euro geahndet werden, die Marktüberwachung übernimmt das Sozialministeriumservice. In Deutschland gilt das BFSG ebenfalls seit 28. Juni 2025, mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro. Hier gibt es eine Ausnahme für Kleinstunternehmen (weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz), die Dienstleistungen erbringen – wer aber Produkte verkauft oder einen B2C-Onlineshop betreibt, ist in der Regel in der Pflicht.

Wichtig: Auch wenn du unter eine Ausnahme fällst, ist Barrierefreiheit kein verlorener Aufwand. Sie verbessert Nutzbarkeit, Reichweite und Google-Ranking. Aber dazu später mehr. Erst die Fehler.

1. Zu geringe Farbkontraste

Der mit Abstand häufigste Fehler. Hellgrauer Text auf weißem Grund sieht modern aus, ist für viele Menschen aber kaum lesbar. WCAG verlangt ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text (ab 18,66 px fett oder 24 px normal).

So behebst du es: Prüfe deine Farbkombinationen mit einem Kontrast-Rechner. In WordPress mit Bricks oder einem Block-Theme passt du die Farben global an, nicht Element für Element – so bleibt es konsistent. Achte besonders auf Buttons, Platzhaltertexte in Formularen und Text über Bildern.

2. Fehlende oder sinnlose Alt-Texte

Bilder ohne Alternativtext sind für blinde Nutzer unsichtbar. Ein Screenreader liest dann bestenfalls den Dateinamen vor – „IMG_4823.jpg“ hilft niemandem. Genauso schlecht: Alt-Texte wie „Bild“ oder das Vollstopfen mit Keywords.

So behebst du es: Jedes inhaltlich relevante Bild bekommt einen kurzen, beschreibenden Alt-Text, der die Funktion oder Aussage des Bildes wiedergibt. Rein dekorative Bilder bekommen ein leeres Alt-Attribut (alt=““), damit der Screenreader sie überspringt. In WordPress pflegst du das direkt in der Mediathek.

3. Formulare ohne Labels und verständliche Fehlermeldungen

Kontaktformulare sind der häufigste Conversion-Punkt einer KMU-Website – und oft der unzugänglichste. Eingabefelder ohne echtes Label, Fehlermeldungen nur über Farbe („das rote Feld“) oder Felder, die mit der Tastatur nicht erreichbar sind, schließen Menschen aus.

So behebst du es: Jedes Feld braucht ein sichtbares, programmatisch verknüpftes Label (kein Platzhalter als Ersatz). Fehler müssen im Text benannt werden, nicht nur farblich markiert. Pflichtfelder klar kennzeichnen. Viele WordPress-Formular-Plugins können das – aber nur, wenn man es richtig konfiguriert, statt sich auf Standardeinstellungen zu verlassen.

4. Nicht per Tastatur bedienbar

Nicht jeder nutzt eine Maus. Wer auf die Tastatur angewiesen ist, navigiert mit Tab durch die Seite. Wenn dabei der Fokus unsichtbar ist, in einer Falle hängen bleibt (etwa in einem Popup) oder Menüs sich nicht öffnen lassen, ist die Seite unbenutzbar.

So behebst du es: Teste deine Seite einmal komplett nur mit der Tastatur. Kommst du überall hin? Ist immer sichtbar, wo du gerade bist? Der sichtbare Fokus-Rahmen darf nicht per CSS wegoptimiert werden. Dropdown-Menüs, Slider und Popups müssen tastaturbedienbar sein – ein häufiges Problem bei aufwendigen Page-Builder-Layouts.

5. Kaputte Überschriften-Struktur

Überschriften sind nicht nur Optik. Screenreader-Nutzer springen damit durch die Seite wie über ein Inhaltsverzeichnis. Wenn H-Ebenen übersprungen werden oder Überschriften nur gewählt sind, weil die Schrift größer aussehen soll, geht diese Orientierung verloren.

So behebst du es: Genau eine H1 pro Seite (meist die Hauptüberschrift). Danach logisch verschachteln: H2 für Hauptabschnitte, H3 für Unterabschnitte, keine Ebene überspringen. Die Größe regelst du über CSS, nicht über die falsche Überschriftenebene.

6. Nichtssagende Linktexte

„Hier klicken“, „mehr“, „weiterlesen“ – Screenreader können sich alle Links einer Seite als Liste vorlesen lassen. Eine Liste aus zwanzig Mal „hier klicken“ ist wertlos. Der Linktext muss aus sich heraus verständlich sein.

So behebst du es: Schreib Linktexte, die das Ziel beschreiben: „Zum Barrierefreiheits-Audit“ statt „hier klicken“. Das hilft nicht nur der Barrierefreiheit, sondern auch deinem SEO, weil Suchmaschinen den Linktext werten.

7. Keine Barrierefreiheitserklärung

Viele vergessen den formalen Teil. Eine Barrierefreiheitserklärung informiert Nutzer über den Stand der Barrierefreiheit und bietet einen Weg, Probleme zu melden. Für betroffene Angebote ist sie Teil der Pflicht.

So behebst du es: Eine eigene Seite mit Erklärung und einem erreichbaren Feedback-Kanal (E-Mail oder Formular). Sie muss von jeder Seite aus auffindbar sein, üblicherweise über den Footer.

Wie du deine Seite selbst grob prüfst

Für eine erste Einschätzung kommst du mit kostenlosen Werkzeugen weit. Die Browser-Erweiterung axe DevTools oder der Lighthouse-Bericht in Chrome finden viele technische Fehler automatisch. Aber Achtung: Automatische Tests erkennen nur etwa ein Drittel aller Barrieren. Den Rest findest du nur manuell – Tastatur-Test, Screenreader-Test, gesunder Menschenverstand.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen „grün im Tool“ und „wirklich barrierefrei“. Ein professionelles Barrierefreiheits-Audit kombiniert beides und gibt dir eine priorisierte Liste, was zu tun ist.

Barrierefreiheit ist kein Kostenfaktor, sondern ein Hebel

Es lohnt sich, das nicht nur als Pflicht zu sehen. Rund jeder fünfte Mensch hat eine dauerhafte oder temporäre Einschränkung. Eine barrierefreie Seite erreicht diese Menschen – und ist nebenbei schneller, sauberer strukturiert und besser für Google. Klare Überschriften, sinnvolle Linktexte und Alt-Texte sind klassische SEO-Faktoren. Du erfüllst also zwei Ziele mit einer Maßnahme.

FAQ

Gilt das auch für meine kleine Firmenwebsite ohne Shop?
Das hängt vom Angebot und vom Land ab. In Deutschland sind reine Dienstleistungs-Kleinstunternehmen oft ausgenommen, in Österreich gelten die EAA-Regeln ebenfalls mit Ausnahmen für Kleinstunternehmen im Dienstleistungsbereich. Sobald du aber online verkaufst oder dich an Endkunden richtest, wird es relevant. Im Zweifel lohnt eine kurze Prüfung.

Welche WCAG-Stufe muss ich erfüllen?
Gesetzlicher Maßstab ist WCAG 2.1 auf Stufe AA. WCAG 2.2 ist neuer und empfehlenswert, aber AA der Version 2.1 ist die Messlatte.

Reicht ein Accessibility-Plugin mit Overlay?
Nein. Overlay-Tools, die per Klick angeblich alles barrierefrei machen, lösen die Probleme nicht an der Wurzel und werden von Betroffenen oft als störend empfunden. Echte Barrierefreiheit entsteht im Code und im Inhalt, nicht in einer aufgesetzten Ebene.

Was kostet es, die Seite barrierefrei zu machen?
Das hängt vom Ausgangszustand ab. Bei sauber gebauten Seiten sind es oft überschaubare Korrekturen, bei verschachtelten Alt-Layouts mehr. Ein Audit schafft Klarheit, bevor du Geld in die Hand nimmst.

Drohen wirklich Strafen?
Die Gesetze sehen Bußgelder vor (Österreich bis 80.000 Euro, Deutschland bis 100.000 Euro). In der Praxis steht am Anfang meist die Aufforderung zur Nachbesserung durch die Marktüberwachung. Aber das Risiko – und der Wettbewerbsnachteil – sind real.

Dein nächster Schritt

Du musst nicht raten, wo deine Seite steht. Ich prüfe sie im Rahmen eines Barrierefreiheits-Audits, technisch und manuell, und du bekommst eine klare, priorisierte Maßnahmenliste. Als zertifizierter Web Accessibility Expert weiß ich, worauf es ankommt – und was du dir sparen kannst. Hier geht’s zum Audit.

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Geschrieben von Christoph Purin

Webentwickler & CPWA-zertifizierter Accessibility-Experte aus Vorarlberg. WordPress seit 2005. Jeder Beitrag basiert auf echten Projekten — alles selbst getestet.
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